Vitamin D für Kinder: Bedarf, Rachitisprophylaxe und worauf Eltern achten sollten
Warum Vitamin D für Kinder so wichtig ist
Kinder befinden sich in einer Phase intensiven Knochenwachstums – ihr Skelett ist noch nicht vollständig ausgebildet und braucht kontinuierlich Calcium, um sich zu festigen. Vitamin D reguliert genau diesen Prozess: Es sorgt dafür, dass Calcium aus der Nahrung im Darm aufgenommen und in die Knochen eingebaut werden kann. Fehlt Vitamin D über längere Zeit, kann dies zu Rachitis führen – einer Erkrankung, bei der die Knochen weich und verformbar werden.

Säuglinge (0–12 Monate): Rachitisprophylaxe
Da Muttermilch nur sehr geringe Mengen Vitamin D enthält (durchschnittlich rund 0,073 µg pro 100 ml) und Babys aus Hautschutzgründen nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden sollen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) gemeinsam mit dem Netzwerk Gesund ins Leben eine gezielte Rachitisprophylaxe:
- 10–12,5 µg (400–500 IE) Vitamin D täglich, als Tablette oder Tropfen
- Beginn: ab Ende der ersten Lebenswoche
- Dauer: bis zum Ende des ersten Lebensjahres (bei im Winter geborenen Kindern teils bis zum zweiten erlebten Frühsommer, also rund 1,5 Jahre)
- Diese Empfehlung gilt unabhängig davon, ob das Kind gestillt oder mit Flaschennahrung ernährt wird

Auch bei versehentlicher leichter Überdosierung besteht laut Fachliteratur zunächst kein Risiko – Intoxikationen sind erst bei einem etwa 100-fach höheren Wert beschrieben. Dennoch sollte die empfohlene Dosierung eingehalten werden.
Kinder ab dem 1. Lebensjahr
Nach dem ersten Geburtstag endet die routinemäßige Rachitisprophylaxe, doch der Bedarf besteht weiterhin. Die DGE legt für Kinder ab einem Jahr – wie für Erwachsene – einen Schätzwert von 20 µg (800 IE) Vitamin D pro Tag zugrunde, sofern keine ausreichende körpereigene Bildung durch Sonnenlicht erfolgt.
In der Praxis zeigen Auswertungen jedoch, dass die tatsächliche Versorgung mit steigendem Alter abnimmt: Während rund 75–80 % der ein- bis zweijährigen Kinder (auch dank fortgeführter Prophylaxe) ausreichend versorgt sind, sinkt dieser Anteil bei sieben- bis zehnjährigen Kindern auf etwa 51–58 %.

Warum der Bedarf bei älteren Kindern oft nicht gedeckt wird
- In Deutschland reicht die UVB-Strahlung zur körpereigenen Vitamin-D-Bildung nur etwa von März bis Oktober aus
- Kinder verbringen zunehmend mehr Zeit drinnen (Schule, Bildschirmzeit)
- Nur wenige Lebensmittel (fettreicher Fisch, Eigelb, angereicherte Produkte) liefern nennenswerte Mengen
Worauf Eltern bei Vitamin-D-Präparaten für Kinder achten sollten
- Altersgerechte Dosierung: Tropfen für Säuglinge, ggf. andere Darreichungsformen für ältere Kinder – die Tagesdosis sollte klar erkennbar sein.
- Obergrenze beachten: Für Kinder bis 10 Jahre gilt laut EFSA eine tolerierbare Gesamtzufuhrmenge (aus alle Quellen) von 50 µg Vitamin D pro Tag. Diese sollte nicht überschritten werden.
- Herkunft und Herstellungsstandard: Produkte aus deutscher Herstellung mit nachvollziehbarer Qualitätssicherung bevorzugen.
- Ärztliche Rücksprache bei Risikogruppen: Kinder mit dunklerer Hautpigmentierung oder sehr geringer Sonnenexposition benötigen unter Umständen eine individuell angepasste Dosierung.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich meinem Kind auch im Sommer Vitamin D geben?
Im ersten Lebensjahr ja – die Rachitisprophylaxe gilt unabhängig von der Jahreszeit. Bei älteren Kindern kann im Sommer bei ausreichender Zeit im Freien die körpereigene Bildung einen größeren Teil des Bedarfs decken.
Ist eine Überdosierung gefährlich?
Bei Einhaltung der empfohlenen Tagesmengen besteht kein Risiko. Das BfR sieht eine mögliche Gefahr erst bei einer dauerhaften Zufuhr von über 100 µg pro Tag bei Kindern, meist durch unsachgemäße Einnahme mehrerer Präparate gleichzeitig.
Braucht mein Kind Vitamin D, wenn es viel draußen spielt?
Auch aktive Kinder erreichen in den lichtärmeren Monaten (Oktober bis März) in Mitteleuropa häufig nicht die nötige UVB-Exposition. Eine bedarfsgerechte Ergänzung kann daher sinnvoll sein.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Referenzwerte Vitamin D.
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/
(Abgerufen am 12. August 2026) - Gesundheitsinformation.de (IQWiG) – Warum wird empfohlen, Babys Vitamin D zu geben?
https://www.gesundheitsinformation.de/warum-wird-empfohlen-babys-vitamin-d-zu-geben.html
(Abgerufen am 12. August 2026) - Gesund ins Leben – Warum brauchen Säuglinge zusätzlich Vitamin D?
https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-fachkreise/bestens-unterstuetzt-durchs-1-lebensjahr/nachgefragt/warum-brauchen-saeuglinge-zusaetzlich-vitamin-d/
(Abgerufen am 12. August 2026)
